Eröffnung

Rappelvoll: Weil alle Sitzplätze belegt waren, verfolgten viele Besucher die Eröffnung von den Seiten aus. 

Spitze kommt aus der Breite

Über das Verhältnis von allgemeiner Begabungsförderung und Exzellenz

Von Hajo Gärtner

Die Basis muss stimmen. Schulleiter Werner Klapproth widersprach dem Image, das Grabbe sei eine Schule, die das Ziel verfolge, herausragende Persönlichkeiten zu erzeugen, und deshalb auf Exzellenz-Förderung setze. »Aus einer guten Breitenförderung erwachsen fast automatisch Erfolge in der Spitze«, führte er in der Eröffnungsveranstaltung zum Tag der offenen Tür 2017 aus und rückte damit das Verhältnis von Breiten- und Spitzenförderung gerade. Ein  falscher Eindruck über die Schule könne entstehen, weil die Medien gern über Spitzenleistungen berichteten und die Breitenförderung in ihrer Darstellung »leider weniger Beachtung« finde.
Tatsächlich werden herausragende Talente von Einrichtungen wie der Musikhochschule, ausgewählten Sportvereinen oder auch dem Landesleistungszentrum Kunstturnen gefördert, mit denen die Schule kooperiert. Deshalb bietet sie nach wie vor besonders talentierten Schülern die Chance, das Nebeneinander von Schule und zeitaufwändigem Hobby vernünftig zu organisieren. »Wir als Schule haben über die Jahre beispielhafte Modelle entwickelt und finden auf dieser Grundlage für den Einzelfall tragfähige Lösungen, damit ein junger Mensch nicht überfordert wird.«
Um solche Einzelfälle ging es aber gar nicht beim Tag der offenen Tür, sondern eher ums Alltägliche. Die Schule präsentierte neben dem obligatorischen Schnupper- und Mitmach-Unterricht ihr ausgesprochen breites Angebot im  extra-curricularen Bereich in Form von Arbeitsgemeinschaften (AGs). Die gibt es recht vielfältig, so dass jeder Schüler seinen individuellen Interessen und Neigungen nachgehen kann. Aber auch schon bei der Klassenbildung spielen divergierende Interessenlagen eine tragende Rolle. So richtet das Gymnasium jedes Jahr aufs Neue eine Kunst-, Musik- und Sportklasse ein, dazu kommt eine gemischte Klasse mit dem Schwerpunkt Naturwissenschaft. In der Sprache der Schule sind das die k-, m-, s- und gn-Klassen. »Die Profilklassen bleiben für fünf Jahre zusammen, sie werden von einem Klassenlehrer-Tandem geleitet«, führte Klapproth aus. Aber nicht nur der fachliche Aspekt steht im Zentrum der Überlegungen. Genau so viel Wert legt die Schule auf das soziale Lernen, das zum Beispiel im regelmäßigen Sozialpraktikum in der Oberstufe zum Ausdruck kommt. Zur Illustration dieser Tatsache las Klapproth den Anfangssatz des Leitbildes der Schule vor: »Wir verstehen unsere Schule als einen Ort, an dem die Begabungsförderung und das Miteinander für das Lernen eine zentrale Rolle spielen.«
Um die schulspezifische Profilbildung zu rechtfertigen, zitierte der Schulleiter den prominenten Physiker und Philosophen Harald Lesch, der Musik, Kunst und Sport zum stärksten Motor der Kreativitätsentwicklung junger Menschen erklärt hat.
Ein leidiges Schulthema ist allerorten der Unterrichtsausfall, der nun einmal nicht komplett ausgeschlossen werden kann. Denn auch Lehrer erkranken bisweilen. Darauf reagiere das Grabbe-Gymnasium mit einem speziellen Vertretungskonzept. Dieses gründe auf etwa 1000 vom Kollegium ausgearbeitete Vertretungsstunden in allen Fächern. Damit sei gewährleistet, dass auch in diesen Stunden die Lernzeit effektiv genutzt wird, so Klapproth.
Frisch aus der Küche der Schulentwickler: Grabbes Nachmittag. Mit diesem Service werden junge Schüler in Übermittagsräumen und auf dem Schulhof betreut: bei der Erledigung ihrer Hausaufgaben, im Lernbüro, von Lernpaten und in Arbeitsgemeinschaften. Klapproth verwies seine Zuhörer auf einen entsprechenden Flyer.
Stellvertretender Schulleiter Gerd Hüls stellte sich vor einem Bild der jüngsten Althandy-Sammelaktion auf. Noch interessanter erschien die anschließende Folie, auf der die jüngsten Grabbianer aus der Klasse 5gn wesentliche Eigenschaften aus dem Schulnamen decodiert haben:
Große Schule
 Rasantes Lernen
 Artige Schüler :-)
Beste Lehrer
Beste Pausen
Einzigartige Schule.

Eine tolle Liebeserklärung. Überraschende Neuerung: Nicht die Direktoren und Lehrer, sondern Schüler luden die Viertklässler anschließend  zu jenen Vorführungen ein, mit denen die Schule um Anmeldungen werben will. Ariana und Charline lockten die Gäste zum Stabfigurenbasteln, Comics zeichnen und in ein märchenhaftes Schattenspiel in die Kunst-Katakomben, während Paul einen Instrumentenexpress im Musikraum anpries. Enno stellte neben Basketball und Fußball ausgefallene Sportarten zur Diskussion. Jonas und Tom wollten in den Räumen der Naturwissenschaften als Detektive auf Spurensuche gehen.


 
In guten Händen: Die solide ausgebildeten Mitglieder des Grabbe-Sanitätsdienstes leisten schnelle Hilfe bei Unfällen und Verletzungen.  Sie halten sich mit Notfall-Handys permanent in Bereitschaft.