Two cultures


 

Gelungene Premiere des deutsch-israelischen Schüleraustausches am Grabbe

 

Ein Resümee von Eva Lettermann

Vor zwei Jahren wurde durch den Besuch zweier junger Israelis im Rahmen des Rau-Stipendiums die Idee einer Schulpartnerschaft am Grabbe geboren, es folgten Monate konzeptioneller, inhaltlicher und organisatorischer Vorbereitung. Nun wurde die Durchführung des ersten deutsch-israelischen Schüleraustausches zwischen dem Grabbe-Gymnasium Detmold und der Maccabim-Re’ut Highschool Realität - und aus Sicht aller Beteiligten ein großer Erfolg. Zehn ereignisreiche Tage liegen hinter uns.
23 israelische Schülerinnen und Schüler waren in der Zeit vom 2. bis 11. Oktober 2007 zu Gast in 23 Detmolder Familien. Das Programm entstand insbesondere durch das Organisationsteam der vier Lehrerinnen am Grabbe-Gymnasium (Sabine Hilbert-Opitz, Eva Lettermann, Rubina Matschke, Anja Vothknecht) und in Absprache mit den deutschen Gastgebern sowie den israelischen Lehrerinnen Nina Hanina und Etti Thaller. An dieser Stelle möchten wir uns noch einmal herzlich für die finanzielle Unterstützung des Austausches durch den Förderverein des Grabbe-Gymnasiums, das Bündnis für Zivilcourage und Toleranz Detmold sowie den Pädagogischen Austauschdienst bedanken. Das hat Vieles vereinfacht und ermöglicht!
Nach Ankunft in Frankfurt/Main organisierten wir zur Begrüßung und zum ersten Kennenlernen einen gemeinsamen Empfang in der Schulcafeteria. Die Gastfamilien gestalteten am zweiten Tag ein individuelles Programm, bevor wir alle gemeinsam die touristische Attraktion Detmolds, das Hermannsdenkmal, umwanderten und besichtigten. Das von Frau Vothknecht vorbereitete Rollenspiel zur Varusschlacht und „Hermann the German“ aktivierte alle und machte viel Spaß. Die nächsten Tage standen entweder im Zeichen von touristischen bzw. historisch relevanten Zielen in und um Detmold (Haus Uhlmann im Westfälischen Freilichtmuseum, Heinz Nixdorf Computermuseum Paderborn, Dokumentationsstätte Wewelsburg) oder von Projektarbeit.
So gestalteten die Teilnehmer/innen des Austauschprogramms an einem Nachmittag eine eigene Homepage, die den Austausch auch nach Rückkehr der israelischen Schülergruppe durch Fotos, Blogs, Infos und ein Forum in virtueller Form lebendig hält (http://israel.grabbe-gymnasium.de). Außerdem wurden Interviews in Detmold zu den deutsch-israelischen Beziehungen durchgeführt, ein Mousepad mit dem Motto „two cultures – one experience“ für alle gestaltet sowie zahlreiche Plakate mit wesentlichen Informationen und ersten Eindrücken für die „Tage der Offenen Tür“ in Detmold und Maccabim-Re’ut hergestellt.
Mittel- und gleichzeitig Höhepunkt des Austauschprogramms war der zweitägige Aufenthalt in Berlin. Die von der israelischen Schülergruppe vorbereitete Zeremonie am Mahnmal „Gleis 17“ in Berlin-Grunewald war emotional tief bewegend und hat die Gruppe – so die Wahrnehmung vieler Schülerinnen und Schüler – zu einer Einheit verbunden. Dass die israelischen Schülerinnen und Schüler nach der Zeremonie und dem Empfinden tiefster Trauer über die schmerzhafte Vergangenheit auf die deutschen Schülerinnen und Schüler zugegangen sind, sie sich gegenseitig getröstet haben und gemeinsam den Blick auf eine gemeinsame und friedliche Zukunft gerichtet haben, hat alle Beteiligten stark geprägt.
Die folgenden Schultage in Detmold mussten am Vormittag überwiegend getrennt organisiert werden, da die deutschen Schülerinnen und Schüler fast täglich Klausuren zu schreiben hatten. Der Kommentar der israelischen Lehrerin Nina Hanina fasst den Eindruck zum Programm und zur in Detmold geleisteten Erinnerungsarbeit zusammen: „There are so many good people in Detmold.“ Damit gemeint sind sowohl die Arbeit unserer Kollegin Monika Rey, die mit ihrer AG den Jüdischen Friedhof pflegt, der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Lippe, die im Rahmen von Veröffentlichungen, Vorträgen und persönlicher Kontaktpflege aktiv ist, als auch der Einsatz einzelner Personen wie Micheline Prüter-Müller, die durch private Forschungen und Kontakte die Erinnerung an jüdisches Leben in Detmold wach halten.
Der Besuch der israelischen Gruppe hatte auch einen großen Einfluss auf unser Schulleben. So besuchten die israelischen Schülerinnen und Schüler in Kleingruppen alle 9. Klassen und berichteten während einer Schulstunde über das Leben in Israel, indem sie Fotos zeigten und erklärten, Ratespiele durchführten, gemeinsam hebräische Lieder sangen und die Schriftzeichen näher brachten. Am vorletzten Schultag fand eine Podiumsdiskussion mit ca. 250 Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufen 11 und 12 statt, bei der jeweils drei Austauschteilnehmer über die gemeinsamen Erfahrungen während des Austausches berichteten und insbesondere die Gäste Fragen zur israelischen Armee, zur politischen Situation in Israel, zum Holocaust, zum Alltag und zum Schulsystem in Israel beantworteten. Der gemeinsame Abschlussabend mit einer Reflexionsrunde, zahlreichen Einträgen in die zwei Gästebücher, vielen privaten Gesprächen und einer ausgelassener Stimmung beendete den ersten Teil des Austausches. Der Gegenbesuch in Israel ist für das kommende Frühjahr geplant.