2012


LZ vom 13. September 2012 - Ein Klick auf den Artikel vergrößert ihn

Kicker und Legenden –
die Juden im Fußball

Grabbe-Gymnasium kooperiert mit dem Landesarchiv NRW und präsentiert erstes Ausstellungsprojekt

VON SVEN KOCH

Detmold. Das Landesarchiv NRW und das Grabbe-Gymnasium haben eine Kooperationsvereinbarung geschlossen. Das erste gemeinsame Projekt ist die Ausstellung "Kicker, Kämpfer, Legenden".

Sie waren Pioniere des deutschen Fußballs: Jüdische Spieler, Trainer, Journalisten und Funktionäre haben das runde Leder in Deutschland populär gemacht. Ihnen widmet sich eine Ausstellung, die zunächst im Grabbe-Gymnasium und dann im Landesarchiv NRW zu sehen sein wird.

"Kicker, Kämpfer, Legenden" lautet der Titel der Schau, die am Dienstag, 11. September, um 16.30 Uhr eröffnet werden wird. Den Eröffnungsvortrag hält Dieter Schulze-Marmeling. Er gehört zu den profiliertesten deutschen Fußballautoren und -historikern und war Herausgeber und Mitautor der Publikation "Davidstern und Lederball – die Geschichte der Juden im deutschen und internationalen Fußball". Seine Veröffentlichung "Der FC Bayern und seine Juden. Aufstieg und Zerschlagung einer liberalen Fußballkultur" wurde 2011 zum "Fußballbuch des Jahres" gewählt.

Fußballhistoriker und Erfolgsautor referiert

Die Ausstellung ist ein erstes Projekt, das aus der Kooperation des Gymnasiums mit dem Landesarchiv resultiert. "Das Thema ist uns auch deswegen nah", sagte Schulleiter Werner Klapproth, "weil wir seit geraumer Zeit einen Austausch und Kontakte mit Israel pflegen." Zudem hegt Klapp­roth verwandtschaftliche Beziehungen zu Dietrich Schulze-Marmeling, der anlässlich der Ausstellungseröffnung einen Vortrag halten wird und davor vor Schülern aus den Kunst- und Sport-Leistungskursen spricht. Später dann, ab 24. September, wird die Ausstellung im Landesarchiv NRW an der Willi-Hofmann-Straße zu sehen sein. Sie wird dort angereichert mit Beispielen aus der lippischen Sportgeschichte.

Die Ausstellung "Kicker, Kämpfer, Legenden" ist eine Leihgabe des Centrum Judaicum und war seit ihrer Premiere 2006 in Berlin schon in vielen deutschen Städten zu sehen. 1933 waren mit der Gleichschaltung die erfolgreichen Karrieren vieler Sportler schlagartig beendet. Bis zum 10. November 1938 durften Juden nur noch in jüdischen Vereinen spielen. Danach wurden alle Sportaktivitäten für sie verboten, und sie teilten das Schicksal aller europäischen Juden.
LZ vom 30. August 2012





Eine Verbindung von Israel nach Deutschland: Schüler des Grabbe präsentierten nach der Gedenkveranstaltung eine Ausstellung und erläuterten Projektinhalte.                        Foto: Koch

Immer wieder eine Brücke bauen

Gedenkveranstaltung an die Opfer des Nationalsozialismus hält Erinnerung wach

Von Sven Koch [LZ vom 28./29. Januar 2012]

Detmold. "Was bleibt" - das ist das Motto des zentralen Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus gewesen. Die Veranstaltung fand am 27. Januar in der Aula des Grabbe Gymnasiums statt.

Es sei gute Tradition, sagte Bürgermeister Rainer Heller, dass in Detmold das Gedenken vor allem von den Schulen getragen werde. Er bedankte sich für das Engagement, in das die Gäste im Grabbe einen Einblick erhielten. Es sei Zukunftsarbeit, gegen das Vergessen anzugehen, betonte er. Immer wieder gelte es zu verstehen, dass Demokratie, Menschenrechte und Freiheit nicht selbstverständlich seien. Man müsse sich stets darum bemühen, zudem kein Ende von rechten Ideologien abzusehen sei, die auch in Detmold immer wieder Spuren hinterlassen würden - zuletzt anlässlich des Gedenkens zur Pogromnacht im November des vergangenen Jahres.

Schulleiter Werner Klapproth sprach in seiner Begrüßung hinsichtlich des Gedenkens an die Holocaustopfer von einer Erinnerungskultur, die sich in Detmold etabliert habe. "Was bleibt", das sei auch die Erinnerung, und hier stehe Auschwitz als ein Symbol für den millionenfachen Mord. Die Vergangenheit müsse wach gehalten werden, denn ohne sie sei die Zukunft nicht zu gestalten. Immer wieder befasse sich die Schule daher im Unterricht mit dem Nationalsozialismus und seinen Gräueln.

Im Rahmen des Gedenkens wurden auch zwei Ausstellungen eröffnet, die Schüler des Grabbe gestaltet haben. Einerseits "If stones could talk", andererseits "Keine leichten Pakete". Am Beispiel von Ada Brodsky, einer vor den Nazis geflohenen Jüdin deutscher Herkunft, wurden in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut Jerusalem fünf Werke, die sie 1938 bei der Auswanderung mit sich nahm, intensiv im Unterricht behandelt. Diese wurden in Israel als "Kein leichtes Paket" zusammengeschnürt. Hierzu erhielten Schüler der 9. Klassen die Möglichkeit, sich mit einem wesentlichen Bestandteil der Identität deutsch-jüdischer Immigranten auseinanderzusetzen.

"Was bleibt" - das Motto der Veranstaltung - hat zu tun mit einem weiteren Projekt. Inspiriert durch die Begegnung mit Erna de Vries, einer Zeitzeugin, hatten Schüler der Israel AG im November ein Gespräch mit deren Tochter Ruth über die Auswirkung der Shoah auf die zweite und dritte Generation. Die Erkenntnisse aus diesen Begegnungen wurden im Grabbe ebenfalls anlässlich der Gedenkveranstaltung präsentiert, die außerdem musikalisch mit mehreren Beiträgen von Schülern eingefasst worden ist.